Énissa Amani kämpft gegen Rassismus

2013 hat Énissa Amani einen ihrer ersten großen TV-Auftritte als Comedian bei „TV Total“. Sie spricht über Beauty-Eingriffe und spielt mit Klischees. Die wenigsten haben damals vermutlich im Sinn, dass sie einige Jahre später eine wichtige Vorreiterin Deutschlands im Kampf gegen Rassismus sein wird. 2019 legt sie sich jedoch öffentlich mit einem AFD-Politiker an. Wir erklären euch, weshalb sie dafür wahrscheinlich bald eine Haftstrafe absitzen muss.

Wie kam es dazu?

Im September 2018 hält der bayerische AfD-Abgeordnete Andreas Winhart eine Wahlkampfrede in Bad Aibling, Bayern, in der er Albaner als Diebe diffamiert und schwarze Menschen die Übertragung von Krankheiten unterstellt. Er verwendet dabei sogar das N-Wort. Auch Énissa wird auf seine Äußerungen aufmerksam, reagiert im März 2019 wutentbrannt in einem Instagram-Post und fordert, Winhart müsse aus der Partei geworfen und „weggesperrt“ werden. In dem Zusammenhang bezeichnet sie ihn als „Idioten“, „Bastard“ und „elenden Rassisten“.

Lesetipp: Neben Énissa schaut auch YouTuber Rezo kritisch auf das Verhalten deutscher Politiker. Hier könnt ihr mehr darüber erfahren.

Winhart kommt ohne Strafe davon

Énissa und weitere Personen stellen mit der Begründung „Volksverhetzung“ Strafanzeige gegen Winhart, werden jedoch bitter enttäuscht: Er bleibt straffrei. Die leitende Staatsanwaltschaft Traunstein teilt im Februar 2019 nach einer Prüfung der Anzeigen in einer Pressemitteilung mit: „Es wurde kein Ermittlungsverfahren gegen den Politiker eingeleitet.“ Die Begründung: Äußerungen im politischen Meinungskampf würden besonderen Schutz genießen, „polemische Zuspitzung“ seien erlaubt und der Tatbestand der Volksverhetzung nicht erfüllt.

Konsequenzen für Énissa: Was wiegt schwerer, Rassismus oder das Wort „Idiot“?

Anders als von Énissa gefordert, muss nicht Winhart, sondern sie aber wohl bald ins Gefängnis. Der AFD-Politiker zeigt sie damals nach ihrem Reaktions-Video wegen Beleidigung an, sie bekommt daraufhin eine Geldstrafe in Höhe von 1.800 Euro. Sie weigert sich jedoch, diese zu zahlen. Die Konsequenz: Sie soll für 40 Tage ins Gefängnis. Énissa sieht zwar ein, den Politiker beleidigt zu haben, fordert aber, dass auch Winhart für seine rassistischen Aussagen belangt wird.

Sie ist lange Zeit unsicher, was sie tun soll, fragt sogar ihre Fans via Instagram um Rat. Die Antworten der Fans sind zwiegespalten: Einige empfehlen ihr, einfach zu zahlen, andere raten ihr, mit ihrer Haftstrafe ein Zeichen zu setzen. Énissa trifft dann eine endgültige Entscheidung, stellt am 20. November auf Instagram klar: „Ich werde NICHT zahlen.“

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Deutschland habe ihrer Meinung nach ein Rassismusproblem, doch durch kleine Schritte könne man daran etwas verändern. „Viele Dominosteinchen, die etwas ins Rollen bringen. Ich bin ein kleines Steinchen in dieser Sache“, erklärt sie ihre Motivation hinter dem Schritt. Zum Zeitpunkt ihres Posts erwartet sie die Ladung zum Haftantritt. Der soll noch Ende 2021 erfolgen. „Anfang Dezember wird es dann ernst“, erklärte sie Mitte November in einem Interview mit dem Magazin „stern“.

Lesetipp: Ist Énissas Weg in den Knast sinnvoll im Kampf gegen Rassismus? Einen Kommentar dazu könnt ihr auf wmn.de lesen.