KFC machte das Weihnachtsfest in Japan populär

Das Weihnachtsfest hat hier in Japan eine ganze andere „Tradition“ als zum Beispiel in Deutschland oder den USA. Abgesehen von den Kindern, die sich hier über Geschenke freuen dürfen, ist vor allem Heiligabend hier ein Fest für Verliebte und Paare. Zu Weihnachten bestellt man sich Essen bei der Fast-Food-Kette „Kentucky Fried Chicken“ und isst dann zum Dessert Christmas Cake. Warum das so ist, wie die Influencer:innen und Stars das „Fest der Liebe“ feiern und welche Weihnachtsfilme aus Japan für Festtagsstimmung sorgen, erfahrt ihr hier.

Weihnachten ist die umsatzstärkste Zeit im Jahr

Für mich ist Weihnachten seit meiner Kindheit der absolut größte und tollste Feiertag. Als Kind natürlich wegen der Geschenke, aber auch das ganze Drumherum fand ich schon damals toll. Katholisch erzogen ging es an Heiligabend jedes Jahr in die Kirche. Krippenspiele, Orgelmusik und Gebete gehörten auch dazu. In Japan ist Weihnachten ebenso beliebt, aber die Geburt von Jesus Christus in einem Stall in Bethlehem bringen wohl die wenigsten Japaner mit diesem Tag in Verbindung.

Shintoismus und Buddhismus sind die beiden Hauptreligion in Japan. Nur ein bis 1,5 Prozent der japanischen Bevölkerung bekennen sich zum christlichen Glauben, doch Weihnachten ist im ganzen Land bekannt und wird von vielen dort gefeiert. Und Santa kennt man hier nur zu gut, ebenso wie Rentiere, Weihnachtsbäume, Sterne, Lichterketten, Schneemänner und den ganzen Schnickschnack. So sind die Wochen vor den besinnlichen „Feiertagen“ (die in Japan keine sind, denn es hat keiner frei) sehr auf das Verkaufen von Produkten ausgelegt und so erinnert mich alles hier an eine Christmas-Lights-Version der USA. Aus Amerika kommt auch der japanische „Brauch“, zu Weihnachten bei KFC Essen zu bestellen.

„KFC Party Bucket“ als traditionelles Weihnachtsessen

In den 1970er Jahren wurden die ersten KFC-Franchise-Läden in Japan eröffnet. Zu dieser Zeit pflegten noch sehr wenige Japaner Weihnachtstraditionen in der Familie. Takeshi Okawara, der Leiter der ersten KFC-Filiale in Japan, soll damals ein Gespräch mitgehört haben, indem Ausländer es bedauerten, dass es keinen Truthahn zu Weihnachten in Japan gäbe. So kam er auf die Idee der „Party Buckets“ – eine Hühnchen-Alternative zum Truthahn. Ab 1974 war es schon eine landesweite Marketing-Aktion in Japan: „Kentucky for Christmas“ und die „Party Buckets“. Okawara wurde für seine grandiose Idee schnell befördert. Von 1984 bis 2002 war er der Vorsitzende der Firma in Japan.

KFC gelang es im Laufe der Jahre nicht nur die Begeisterung für Hähnchen zu Weihnachten bei den Japanern zu wecken, sondern auch eine neue Familientradition einzuführen.

Japaner und ihr „Christmas Cake“

Eine weitere Speise zu Weihnachten ist in Japan der Christmas Cake, der ursprünglich von dem Lebensmittelhersteller „Fujiya“ als Weihnachtskuchen vermarktet wurde. Es gibt mittlerweile viele unterschiedliche Arten des Desserts, doch am beliebtesten ist der Biskuitkuchen mit Erdbeeren. Warum ausgerechnet Erdbeeren als weihnachtlich in Japan gelten? Ich als Deutsche habe mich das zumindest gefragt. Die Antwort ist vermutlich einfach nur die sehr ansprechende Optik. Ein mit weißer Schlagsahne überzogener Kuchen mit roten Erdbeeren obendrauf passt zumindest farblich perfekt zu Weihnachten. Übrigens ist diese Farbkombination in Japan glücksbringend und auch auf der japanischen Flagge zu finden.

Japanische Promis im Weihnachtsfieber

Heiligabend wird in Japan auch gerne als das „Fest für Verliebte“ bezeichnet. Denn an diesem Tag verbringen Paare häufig eine romantische Zeit miteinander. So tauschen sie kleine Geschenken aus, gehen ins Restaurant und bummeln durch die Stadt. Die perfekte Date Night eben. Wer nicht frisch verliebt ist, feiert Weihnachten mit der Familie. Kiko Mizuhara, die in Japan als Model und Schauspielerin bekannt ist, hat zwei Wochen vor Weihnachten bereits mit ihrer Schwester vorgefeiert. Lustige „Rudolf, das Rentier“-Mützen und ein geschmückter Baum durften dabei nicht fehlen.

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Auf dem Instagram-Account der japanischen Sängerin Ayumi Hamasaki (Ayu ist auch als „J-Pop-Queen“ bekannt) kommt man richtig in Weihnachtsstimmung, denn sie postet Bilder und Video von ihrer pompösen Weihnachtsdeko und präsentiert sich in weihnachtlichen Gewändern, die eines Pop-Stars würdig sind. Ayumi hat 1,3 Millionen Follower auf Instagram und seit ihrem Musik-Debüt Ende der 1990er mehr als 50 Millionen Tonträger verkauft.

Auf dem Account von „You’re Under Arrest“-Schauspieler Mokomichi Hayami bekommt man überraschenderweise keine Roten-Teppich-Auftritte oder Filmszenen zusehen, sondern immer passend zur Jahreszeit Food-Content.

Im November präsentierte der Schauspieler Kürbis-Gerichte und zu Weihnachten und gebratenes Hähnchen. Rezepte und mehr findet man auch auf seinem YouTube-Kanal.

Alisa Ueno feiert im Disneyland

Sängerin und DJ Alisa Ueno stimmt sich mit einem Besuch in Tokyo Disneyland auf die Weihnachtszeit ein. Der Vergnügungspark ist nämlich nicht nur seit einigen Wochen weihnachtlich geschmückt, sondern auch was Essen und Trinken angeht komplett im Christmas-Modus.

Die japanische Version der „Helene Fischer Show“ ist Comedy pur!

An den Weihnachtstagen und kurz davor gibt es im japanischen TV etliche „Christmas Shows“ mit Entertainer:innen. Überwiegend Musik-Sendungen findet man dann im Fernsehen. Während in Deutschland die „Helene Fischer Show“ Millionen Menschen vor den Bildschirm lockt, ist es in Japan seit mittlerweile 30 Jahren eine Comedy-Show. Sanma Akashiya ist einer der erfolgreichsten Comedian im Land und begeistert mit seiner Christmas-Show zu Heiligabend alljährlich das Publikum.

Diese Weihnachtsfilme aus Japan gehen ans Herz

Wer noch nicht in Stimmung für Weihnachten ist, dem helfen vielleicht folgende japanische Filme dabei. Der Anime „Tokyo Godfathers“ aus dem Jahre 2003 begleitet drei schräge Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten: den Alkoholiker Gin, die ehemalige Drag Queen Hana und die Ausreißerin Miyuki. Alle drei sind obdachlos und streifen an Heiligabend durch die Straßen Tokyos. Als sie ein ausgesetztes Baby finden, machen sie sich auf die Suche nach den Eltern. Wer es lieber romantisch mag, für den könnte „It All Began When I Met You“ etwas sein. Der Film ist gewissermaßen die japanische Version von „Love Actually“. In verschiedenen Geschichten werden die Erlebnisse von unterschiedlichen Personen rund um den Bahnhof Tokyo zur Weihnachtszeit geschildert. Taschentücher raus, es wird gefühlvoll!

Mein erstes Weihnachten in Japan

Ich bin nun perfekt für mein erstes Weihnachtsfest in Japan vorbereitet und es wird definitiv anders sein, als ich es aus Deutschland kenne. Gegen das eventuell auftretende Heimweh helfen mir einige Dinge hinweg: So steht bei mir Zuhause ein kleiner, künstlicher Tannenbaum im Wohnzimmer. Kitschig geschmückt verbreitet er schon seit Anfang Dezember Festtagsstimmung. Auch deutschen Glühwein habe ich in einem japanischen Supermarkt entdeckt, ebenso Christstollen und Lebkuchen. „Das Fest für Verliebte“ (Heiligabend) werde ich mit meinem Mann feiern und ganz romantisch essen gehen. Viele Restaurants bieten nämlich spezielle Gerichte zu Weihnachten an. Ob ich mir gebratenes Hähnchen bestellen werde? Ich weiß es noch nicht! Einen Christmas Cake werden wir uns aber auf jeden Fall gönnen und gemütlich auf dem Sofa futtern, während wir das Christmas-Programm im japanischen TV verfolgen. Am zweiten und dritten Weihnachtstag wird übrigens mit Familie und Freunden in der Heimat geskypt – ohne Frage. Denn ob Deutschland oder Japan, Stollen oder Christmas Cake, Helene Fischer oder Sanma Akashiya – an Weihnachten zählen die Menschen, die einem wichtig sind. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Rosi: Big in Japan

Anfang 2021 hat sich unsere Redakteurin Rosalie ihren Traum erfüllt und ist mit ihrem japanischen Ehemann nach Kyoto ausgewandert. In ihren Texten schreibt sie über ihre Liebe zu Animes, japanischem Essen und zeigt uns die aktuellen Trends im Land der aufgehenden Sonne. Ihre Stories findest du hier.