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TikTok-Trend: Warum werfen Kinder in Japan mit Bohnen um sich?

Am 3. Februar ist in Japan Setsubun. Was ist das für ein besonderer Tag, den viele Menschen bei TikTok feiern?

Japanisches Fest Setsubun
In Japan feiert man zum Frühlingsanfang Setsubun Credit: TOSHIFUMI KITAMURA/AFP via Getty Images, via canva.com [M]

Dämonen, Sushi und Sojabohnen – was ist los auf TikTok?

Anderes Land – andere Traditionen. Wie man in Japan den Winter vertreibt und den Frühling begrüßt, erfahrt ihr hier.

So feiern die Japaner den Frühlingsbeginn

Vielleicht sind euch in eurem TikTok- oder Instagram-Feed in den letzten Tagen auch folgende Clips angezeigt worden: japanische Kinder werden von Männern mit Dämonen-Masken erschreckt. Um die vermeintlichen Monster zu vertreiben, werfen die Kinder mit Sojabohnen. Was der Frühlingsbeginn damit zu tun, warum große Sushi auch eine Rolle spielen und weshalb der Hashtag 節分 in Japan derzeit trendet, verrate ich euch hier.

Lesetipp: Hier erfahrt ihr, wie man in Japan die in Japan die Volljährigkeit feiert.

Setsubun – der Frühling steht vor der Tür

Der Frühling ist da – zumindest nach dem chinesischen Kalender. Auch in Japan beginnen die Feierlichkeiten zum Winterende meist am 3. Februar. Setsubun (節分) ist der Tag vor dem Frühlingsbeginn, bedeutet „Jahreszeitenteilung“ und wird in ganz Japan durch unterschiedliche Rituale gefeiert. Ein gesetzlicher Feiertag ist Setsubun allerdings nicht. Was Comedian „Mr. Yabatan“ an diesem Tag in Japan erlebt hat, zeigt er eindrucksvoll auf TikTok.

TikToker Mr. Yabatan feiert Setsubun

In Deutschland werden in einigen Regionen Strohpuppen verbrannt, um symbolisch damit den Winter zu vertreiben. In Japan wird mit Bohnen geworfen, um damit Dämonen fortzujagen. Diese Dämonen werden Oni genannt und sind eine bestimmte Art von Yōkai, welche zur japanischen Mythologie gehören.

Bohnen für den Setsubun-Feiertag
Bohnen für den Setsubun-Feiertag Credit: privat

Vertrieben werden die Oni mit gerösteten Sojabohnen. Man wirft die Bohnen zum Beispiel vor die Haustür und ruft dabei: „Oni wa soto! Fuku wa uchi!“ (Übersetzt etwa: „Dämonen raus! Glück herein!“)

Bohnen werfen: Ein Spaß für viele Kleinkinder

Diese Tradition variiert je nach Präfektur oder Haushalt. Auf TikTok findet man in den letzten Jahren daher vermehrt Videos, in denen Kinder von Oni in ihrem Zuhause erschreckt werden und sich tapfer mit Sojabohnen gegen die Dämonen wehren. 

Viele Kinder scheinen an diesem Ritual sichtlich Spaß zu haben. Auch weil sie hinter den Masken ihre eigenen Familienmitglieder erkennen. So wie dieses Kleinkind, dass keine Angst vor dem Dämon hat und ihn stattdessen in den Arm nimmt.

Andere Kinder weinen allerdings bitterlich, weil sie sich sehr vor den Oni fürchten. Mein japanischer Mann kann sich übrigens nicht daran erinnern, in seiner Kindheit von einem Dämon besucht worden zu sein. An das Werfen der Sojabohnen (rituelles Bohnenstreuen) allerdings schon. Und so haben wir dieses Jahr dem Brauch entsprechend die Bohnen geworfen, damit hoffentlich alle Dämonen verjagt und Glück in unser Heim gebracht.

Food-Porn auf TikTok: Warum ein Hintergedanke bei diesem Sushi-Trend berechtigt ist

Ein weiterer Setsubun-Brauch, der ursprünglich aus der japanischen Region rund um Osaka stammen soll, ist das Verspeisen von Ehōmaki (frei übersetzt etwa „Glücksrichtung-Rolle“). Diese Sushi sind größer als übliche Maki und enthalten besondere Zutaten wie beispielsweise Aal, Kürbis oder Shiitake-Pilze. Auf TikTok findet man derzeit vermehrt Clips, in denen Japaner:innen diese doch sehr großen Maki-Sushi genüsslich verspeisen, schweigend und ohne eine Pause zu machen.

Genauso soll die „Glücksrolle“ nämlich auch gegessen werden, damit sie auch wirklich Glück bringt. Wichtig ist auch, dass man sich beim Essen in die glücksbringende Richtung des Jahres wendet. 2022 ist es übrigens die Himmelsrichtung Nordnordwest.

Woher stammen Ehōmaki?

Ein Schelm, wer bei diesen Clips auch andere Assoziationen hat, oder? Hiroyuki Kutsuzawa von der „Japanese Society of Ethnology“ hat 2009 herausgefunden, dass diese Art Ehōmaki zu verspeisen, möglicherweise ihren Ursprung in den „Freudenhäusern“ von Osaka hatte. Bei einem „unanständigen“ Spiel sollten die Sushi-Rollen auf die bekannte Weise zur Unterhaltung gegessen werden. Es gibt aber auch Belege aus der Meiji-Zeit (1868 bis 1912), die auf einen nicht sexuellen Ursprung verweisen, wie man in  Kutsuzawas Abhandlung lesen kann.

So wurden Ehōmaki bekannt

Die landesweite Ehōmaki-Erfolgsgeschichte begann erst in den 1990er Jahren, als die Convenience-Store-Kette „Seven Eleven“ die besonderen Maki aus Osaka in ganz Japan vertrieb. Ähnlich wie KFC mit seinen Chicken Buckets zu Weihnachten, gelang „Seven Eleven“ hier eine erfolgreiche Werbekampagne für Ehōmaki zu Setsubun. Ich habe Ehōmaki an dem Tag auch gegessen und muss sagen: sehr lecker – und sättigend. Für mich gab es Maki mit Aal, für meinen Mann Maki mit Meeresfrüchten. Die Auswahl ist in Japan riesig und so ist für jeden Geschmack auch was dabei.

Neue Traditionen können verwirrend sein

Für mich war es das erste Setsubun-Fest – nicht nur in Japan, sondern generell. Ich fand es sehr interessant, mehr über japanische Rituale und Traditionen zu erfahren und freue mich auf weitere Feiertage im Land des Lächelns.

Doch für Ausländer:innen ist es nicht immer leicht, neue Kulturen zu verstehen. Wie verwirrend das sein kann und wie man dabei leicht auch etwas durcheinander bringt, zeigt Englischlehrer Patrick aka „thepaperpat“ auf Instagram. Wie bei ihm gewohnt, mit einem Augenzwinkern.

Gewusst? Am 3. März feiert man in Japan Hinamatsuri, das Mädchenfest.

Selfies-Storys aus Japan

Anfang 2021 hat sich unsere Redakteurin Rosalie ihren Traum erfüllt und ist mit ihrem japanischen Ehemann nach Kyoto ausgewandert. In ihrer Kolumne schreibt sie über ihre Liebe zu Animes, japanischem Essen und zeigt uns die aktuellen Trends im Land der aufgehenden Sonne. Ihre Stories findest du hier.