Mr. Blindlife: So sieht die Welt durch seine Augen aus

Instagram und TikTok sind extrem visuelle Medien. So einige würden wohl vermuten, dass sie deshalb für blinde und fast blinde Menschen nicht sehr interessant sind. Bei Mr. Blindlife ist aber genau das Gegenteil der Fall: Zusammen mit seiner Frau nutzt er die Social-Media-Plattformen regelmäßig und klärt dort über sein Leben in fast vollständiger Dunkelheit auf.

Er spricht offen über seine gesetzliche Blindheit

Auf seinem TikTok-Account stellt sich Erdin Çıplak aka Mr. Blindlife vor. Der Sozialarbeiter gilt als gesetzlich blind. Das ist man bei einer so geringen Sehschärfe, dass nur noch eine Hell- und Dunkelwahrnehmungen möglich, oder das Gesichtsfeld extrem klein ist. Er nimmt es jedoch gelassen, wie sein Lebensmotto zeigt: „Augen zu und durch.“

Erdin zeigt, wie sein Alltag als fast blinder Mensch abläuft und klärt unter anderem die Frage, ob er Fernsehen schaut: Er selbst hat noch ein sehr geringes Sehvermögen und rückt für einen TV-Abend einfach nah an den Fernseher heran. Menschen, die dagegen völlig erblindet sind, würden stattdessen einfach nur hören, was passiert.

Beim Reisen orientiert er sich an der ertastbaren Brailleschrift, die beispielsweise an Fahrstuhltasten zu finden ist, und an Bodenleitsystemen, die er mit einem Langstock entlanggeht.

Mr. Blindlifes Geschichte

Auf seinem TikTok-Account erklärt Erdin auch, weshalb er als gesetzlich blind gilt: „Ich sehe nur noch zwei Prozent.“ Daran seien zahlreiche Augenerkrankungen wie etwa Grüner Star, Grauen Star, und eine Hornhaut-Ablösung schuld. „Ich hatte schon 50 Augenoperationen und davon die meisten in den ersten sechs Lebensjahren“, berichtet er.

„Aber ich bin nicht traurig. Ich bin glücklich. Ich bin glücklich darüber, hier Videos machen zu können. Ich bin glücklich darüber, aktuell keine Schmerzen zu haben“, stellt er klar und rät seinen Follower:innen, im Leben immer das zu schätzen, was man hat.

Sie ist die Frau an Mr. Blindlifes Seite

In Erdins Blindlife gibt es seine Frau Jasmin. Unter dem Namen Mrs. Blindlife gibt auch sie Eindrücke ihres gemeinsamen Alltags auf Instagram.

Aufgrund ihres Nicknames, wollen viele Follower:innen wissen, ob auch sie als gesetzlich blind gilt. Sie klärt in einem Post jedoch auf: „Nein, auch wenn der Name es vermuten lässt. Ich habe ihn lediglich gewählt, damit die Verbindung zwischen Mr. Blindlife und mir leichter herzustellen ist. Allerdings bin ich sehbeeinträchtigt und nutze teils auch einen Langstock.“

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Wie Erdin zeigt auch seine Frau, wie sie mit ihrer Sehbeeinträchtigung lebt. In einem Post erklärt die Aktivistin beispielsweise, wie die Teilnahme an Demonstration – wie etwa denen der Bewegung „Fridays for Future“ – für sie möglich ist. „Entweder sind die Dolmetscher:innen auch auf den Bildschirmen weiter hinten eingeblendet, oder es ist ein Bereich extra für Personen mit Hörbeeinträchtigung vorbehalten, wo sie die Gebärdendolmetscher:innen sehen können“, beschreibt sie die Situation auf Großdemonstrationen.

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