Otter als Haustier? In Japan erlaubt, aber…

Otter sind im Trend. Auf TikTok, Instagram und Co. findet man seit Jahren unzählige Clips mit den niedlichen Wassermardern. In Japan kann man Otter sogar als Haustiere halten. Dennoch stehen sie auch dort unter Artenschutz und der internationale Handel mit wilden Ottern ist verboten. Die Nachfrage wächst trotzdem. Welche Rolle dabei Otter Cafés spielen, warum ich meinen Besuch in einem solchen Café zutiefst bereue und wie die Welttierschutzgesellschaft die Lage der Otter in Japan einschätzt, erfahrt ihr hier.

Süße Otter sind Stars auf Social Media

Auf Social Media sind Otter seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Niedliche Bilder, Clips und Videos findet man zuhauf auf TikTok und Instagram. Da man Otter unter anderem auch in Japan als Haustiere halten kann, gibt es mittlerweile etliche lustige Blogs mit diesen domestizierten Tieren. So hat Otter Kinaco über 137.000 Fans auf Instagram und die beiden Otter Kotaro und Hanna mehr als 1,34 Mio. Abonnenten auf YouTube.

YouTube video

In Japan kann sich theoretisch jeder einen Otter als Haustier zulegen, doch die Sache hat auch einen Haken. Die Züchtung von Ottern im Land ist beschränkt, die die Einfuhr vor wilden Ottern streng verboten ist. Auch werden alle Otter im Land gechippt und registriert. Da also Otter nicht einfach in jeder Zoohandlung gekauft werden können, erfreuen sich sogenannte Otter Cafés großer Beliebtheit. Dort kann man mit den Wassermardern interagieren, sie füttern, streicheln und spielen. Doch ist das alles wirklich artgerecht?

Animal Cafés sind in Japan sehr beliebt

In meiner Vorstellung waren Otter Cafés so etwas wie die ebenfalls sehr beliebten Katzen Cafés. Dort kann man entspannt einen Kaffee trinken, während man von Katzen umgeben ist. TikTok-Comedian Mr. Yabatan hat ein solches Café in Tokyo besucht und Eindrücke davon mit seiner Community geteilt.

Außerdem gibt es Japan auch Mini Pig Cafés. Dort bucht man eine Stunde oder länger und kann diese Zeit mit niedlichen Schweinchen verbringen. Ich habe ein solches Café vor Kurzem in Osaka besucht und war im „Mini Pig Himmel“. Mehr erfahrt ihr hier.

Und wie ein Katzen beziehungsweise Mini Pig Café stellte ich mir auch ein Otter Café vor. Doch ich wurde nicht nur sehr enttäuscht, sondern sogar schockiert.

Besuch im Otter Café – Artgerechte Haltung? Fehlanzeige!

Das Otter Café, welches ich besucht habe, war nämlich gar kein „Café“, wie man es sich vorstellt, sondern lediglich ein kleiner Raum, mit einem abgetrennten, verglasten Bereich, indem die Otter ihren Schlafplatz hatten. Ein Wasserbecken für die Otter gab es nicht, aber eine Art Aquarium. Vier Kunden durften zeitgleich im Raum sein und eine Stunde mit zwei Ottern verbringen. Eine Angestellte, an die die Otter gewöhnt waren, war die ganze Zeit dabei und erklärte etwas zu den Tieren. Sie achtete darauf, dass die Kunden gut mit den Ottern umgingen und verriet, wo man die Tiere anfassen durfte und wo besser nicht. Währenddessen schwamm und tauchte ein dritter Otter in dem kleinen Becken aufgeregt auf und ab und wirkte sehr gestresst.

Die Otter konnten mit Trockenfutter gefüttert werden und Wasser aus einer Flasche trinken. Auch konnten man ein bisschen mit ihnen „spielen“. Wenn sie wollten, bissen sie in ein Seil und man konnte mit ihnen leichtes Tauziehen spielen.

Nach einer Weile wurden die Otter müde und legte sich auf den Boden oder auf den Schoß der Angestellten. Unsere gebuchte Stunde war dann bald vorbei, doch vor der Tür warteten bereits mindesten acht weitere Menschen. Ein volles Programm für die Otter mit erneutem Füttern, Trinken und Spielen. Dabei waren sie doch jetzt schon ziemlich erschöpft und schienen am liebsten schlafen zu wollen.

Positiv anzumerken ist zumindest, dass die Otter der Angestellten vertrauten, sich von ihr streicheln ließen und sich bei ihr sicher fühlten. Die Kunden durften die Otter nicht einfach anfassen oder auf den Armen nehmen. Außerdem wurden sie nicht zum Spielen gezwungen. Zumindest nicht in der Stunde, in der ich dort war. Trotzdem hatte ich die ganze Zeit ein ungutes Gefühl und verließ das Otter Café mit schlechtem Gewissen.

Fotojournalist setzt sich auf Instagram für den Schutz von Otter in Japan ein

Der Fotojournalist und Instragramer Aaron „Bertie“ Gekoski klärt auf seinem Account über Otter Cafés in Japan auf und rät auch davon ab, sie als Haustiere zu halten. Denn: Viele wilde Otter werden getötet oder verletzt, damit sie als exotische Haustiere gehalten werden können.

Warum Otter KEINE Haustiere sind! Rechtliche Lage!

Die Welttierschutzgesellschaft klärt auf ihrer Website über Otter auf und beschreibt, warum man die Tiere nicht als Haustiere halten sollte. In freien Wildbahn leben Otter nämlich ausschließlich in Gebieten mit Gewässern und brauchen immer Zugang zu Wasser, um sich wohlzufühlen. Da Otter sehr intelligent Tiere sind benötigen sie viel Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten. In freier Wildbahn sind ihre Reviere bis zu 45 Quadratkilometer groß. Außerdem sind Otter nicht gerne allein. In freien Natur leben sie in Gruppen von bis zu 15 Tieren zusammen.

„Es braucht mehr als nur Verbote!“: So werden Otter rechtlich geschützt!

„Otter sind Wildtiere und keinesfalls Kuschel- oder Haustiere“, stellt die Welttierschutzgesellschaft klar. „Alle 13 Otterarten sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES geschützt, das weltweit den Handel der Tiere regelt. (…) In Europa unterliegen Otter zusätzlich der Berner Konvention und in Deutschland dem Bundesnaturschutzgesetz. Beide verbieten hierzulande jeglichen Fang wilder Otter und bestrafen diesen schwer“, schreibt sie.

Da die Nachfrage nach Ottern als Haustiere trotz Tierschutzgesetzt in den letzten Jahren vor allem in asiatischen Ländern zugenommen hat, wurden die Regelungen am 26. August 2019 verschärft. Seitdem gilt für die Zwergotterart ein internationales Verbot für den kommerziellen Handel. ABER: „Otter-Experte Hiroshi Sasaki von der Chikushi Jogakuen Universität bezweifelt, dass das Verbot des internationalen Handels mit Ottern, das im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) beschlossen wurde, eine große Verbesserung der Situation herbeiführen wird, solange dem illegalen Handel nicht mithilfe eines strengen Registrierungssystems Einhalt geboten wird“, schreibt die Welttierschutzgesellschaft und schließt sich der Meinung an: „Es braucht mehr als nur Verbote.“

Otter Cafés in Japan – viele schwarze Schafe & eine große Dunkelziffer

Die Welttierschutzgesellschaft hat mir und Selfies.com einige Fragen zu dem Thema beantwortet. So wollte ich wissen, ob sich seit der Gesetzesänderung die Situation der Otter im Land verbessert hat. Die Antwort: „Der Japan Financial Crime Report 2021 bleibt zahlenmäßig wenig spezifisch, vermutlich wegen der Problematik, dass der Handel mit Ottern oft illegal und online erfolgt und die Verfolgung daher schwierig ist.“ Der Otter-Haustier-Trend nimmt leider nicht ab. Allerdings wird seit 2019 weniger öffentlich darüber berichtet. „Dies könnte die Expert*innen-Einschätzung bestätigen, dass der Otterhandel zunehmend im Verborgenen stattfindet.“

Und wie sieht es bei Otter Café aus? Hat sich die Situation der Tiere dort verbessert? „Manche behaupten, sie würden Informationsarbeit leisten und gute Lebensbedingungen für die Tiere bereitstellen. Den öffentlichen Fotos von verschiedenen Otter Cafés zufolge lässt sich allerdings keine deutliche Verbesserung des Tierwohls im Vergleich zu der Zeit vor 2019 feststellen.“ So gibt es weitaus schlimmere Cafés als das, welches ich besucht habe.  Auf Instagram findet man nämlich auch solche Fotos von Ottern:

Fazit: NIE wieder Otter Cafés für mich!

Obwohl ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Otter streicheln durfte und dies schon lange ein Traum von mir war, bereue ich den Besuch in einem Otter Café sehr. Ich hatte auf artgerechte Haltung gehofft und wurde enttäuscht. Obwohl die Haltung von Ottern in Japan legal ist und auch Otter Cafés nicht gegen das Gesetz verstoßen, sollte man beides sehr kritisch sehen. Das Tierwohl sollte immer an erster Stelle stehen. Die Welttierschutzgesellschaft spricht sich sogar für ein Verbot von Otter Cafés aus: „Otter sind Wildtiere und gehören – nirgendwo auf der Welt – in private oder kommerzielle Menschenhand. Dementsprechend sollte es nach Ansicht der Welttierschutzgesellschaft auch keine Otter-Cafés geben.“

Doch kann man etwas tun, um sie verbieten zulasse? „Die Möglichkeiten, sich direkt gegen Otter Cafés einzusetzen, sind leider beschränkt. Die Tierschutzgesetze in Japan gelten als wenig streng und Organisationen im Land, die sich konkret gegen die Existenz von Otter Cafés einsetzen, sind uns nicht bekannt. Ein kleiner Beitrag gegen die Otter Cafés besteht aber darin, auf Reisen niemals solche tierfeindlichen Orte zu besuchen.“

Was kann man als Privatperson zum Wohle der Otter tun?

Ich werde niemals wieder ein solches Café besuchen und bei jedem TikTok-Video oder Instagram-Foto in Zukunft daran denken, dass Otter keine Haustiere sind und viel glücklicher mit ihren Artgenossen in der Freiheit wären.

Aufklärung ist wichtig! Wer etwas für die Otter tun will, dem rät die Welttierschutzgesellschaft folgendes: „Wer sich für das Wohl von illegal gehandelten Zwergottern einsetzen will, kann Organisationen unterstützen, die gerettete Zwergotter aufnehmen, professionell pflegen und nach Möglichkeit wiederauswildern.“

Lesetipp: Die Dos und Don’ts im Alltag: Verhaltensregeln in Japan!

Außerdem haben sie auch diesen Rat: „Um den Trend zur Haustierhaltung von Ottern zu schwächen, sollten entsprechende Beiträge, bei denen Otter in Privathaltung gezeigt werden, in den sozialen Netzwerken weder gelikt noch kommentiert werden. Stattdessen empfiehlt die Welttierschutzgesellschaft, solche bei den Moderator*innen-Teams der Netzwerke zu melden.“

Selfies-Storys aus Japan

Anfang 2021 hat sich unsere Redakteurin Rosalie ihren Traum erfüllt und ist mit ihrem japanischen Ehemann nach Kyoto ausgewandert. In ihrer Kolumne schreibt sie über ihre Liebe zu Animes, japanischem Essen und zeigt uns die aktuellen TrendsIhre Stories findest du hier.

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